Was macht eine Kultursendung persönlich?

Nach der Konzeption der schlechtesten Kultursendung der Welt geht es jetzt darum, die Stärken einer guten Kultursendung zu benennen. Ganz wichtig dabei sind Individualität und Authentizität. Wie muss ein Beitrag gestaltet sein, damit er die Zuschauer persönlich anspricht?

Damit eine Kultursendung, wie jede andere Sendung auch den Zuseher persönlich erreichen kann, muss sie zunächst einmal ihr eigenes Publikum kennen. Unsere Sozialisation spielt eine entscheidende Rolle, wie und was wir als Zuschauer konsumieren bzw. wie wir Beiträge wahrzunehmen imstande sind. Alter, Herkunft, Elternhaus und die damit verbundenen Chancen auf Bildung, eigenes Einkommen, Freundeskreis, persönliche Ziele, Interessen, Wünsche und Träume – alles zusammen hat Einfluss auf unser mediales Konsumverhalten. Entspricht eine Kultursendung diesen persönlichen Anforderungen und hat somit direkt mit unserer eigenen Lebensrealität zu tun, empfinden wir sie als „persönlich“.

Im Team reflektieren und diskutieren wir darüber, wie eine Kultursendung bzw. eine Kulturreadaktion, – auch losgelöst von starren Sendezeiten –  die Zuschauer direkt ansprechen kann. Den produktionstechnischen Aufwand einmal außer Acht lassend, spielen wir mit dem Gedanken, den Content die Zuschauen finden zu lassen und nicht umgekehrt. Einflüsse wie die oben genannten könnten hier genauso wirksam sein, wie das aktuelle Wetter, der Ort, an dem sich der Zuseher gerade befindet oder sein momentan vorherrschender Gefühlszustand.
Wie könnte eine alternative Kulturedaktion aussehen, die den Zuschauer auf diese Weise direkt und persönlich anspricht? Wie wäre es wohl, wenn eine Kulturredaktion wie ein soziales Netzwerk funktionieren und die Redakteure Follower haben könnten? Wie bei einem Internet-Forum könnten dann die Zuschauer involviert werden und den Content selbst mitgestalten.
Wir sind also angekommen bei einem komplett auf den Zuschauer zugeschnittenen Kulturmagazin: Jeder sieht quasi sein eigenes Kulturmagazin. Unser Brainstorming beschließen wir mit der Frage, ob dieses Prinzip überhaupt gewollt wird, nämlich sowohl vom Einzelnen als auch von der Gesellschaft. Denn geht es nicht auch darum, einen „roten Faden“ anzubieten, der bestmöglich für alle Gültigkeit besitzt? – Oder darum, den Menschen Neues, bisher für sie gänzlich Irrelvantes anzubieten, um an Grenzen zu stoßen, sie eventuell sogar zu sprengen und den Horizont zu erweitern?

Was macht eine Kultursendung persönlich Kulturredaktion