Projektabschluss

Nach sechsmonatiger Projektarbeit ist die erste Version unseres interaktiven Webplayers nun endlich online! Im Zuge dessen können wir auch den neuen Namen des  Projekts präsentieren: SCOPE PLAYER. Unser Ergebnis konnten wir am 28.1.2016 im MIZ Babelsberg vor vielen VertreterInnen aus der Medienbranche und dem Standort Babelsberg vorstellen. Unsere Projektpartner Martin Traxl und Siegfried Steinlechner vom ORF sowie Robert Seeliger und Miggi Zwicklbauer vom Fraunhofer FOKUS waren ebenfalls zu Gast und sprachen im Anschluss in einer Panel-Diskussion gemeinsam mit Rangeen Horami von der Filmuniveristät Babelsberg über die Zukunft des Fernsehens und den Platz, den interaktiver Webcontent darin einnehmen kann.

Nach der Präsentation konnten die Gäste den Scope-Player direkt an mehreren Laptops ausprobieren und so setzten sich die Gespräche, unterstützt durch einen kleinen Brunch, noch weiter fort, was die Veranstaltung zu einem tollen Abschluss für unsere Zeit im MIZ machte. Es ist nicht zuletzt ist dieser Austausch, der die Projektarbeit so spannend und vielseitig gemacht hat.

Aber natürlich ist das Potential hinter dem Score-Player noch nicht ausgereizt. Wir haben weiterhin viele Ideen, wie wir den Scope-Player weiterentwickeln können und wollen an diesen auch in Zukunft arbeiten.  Deshalb suchen wir jetzt nach Partnern, Feedback und Formatideen!

Bis dahin gibt es die Beta auf dieser Website. Viel Spaß damit!

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Changing the Picture

Bei der Technologiekonferenz „Changing the Picture” durften wir zum ersten Mal auf großer Bühne präsentieren. Wir bedanken uns für die Einladung und die „Blumen” für unsere Session „The Future Generation”. Wir durften sie gleich zweimal hintereinander halten. In jeder Session präsentieren wir zunächst 15 Minuten lang unser Projekt, im Anschluss daran sprach Denny Koch in einer Paneldiskussion mit unseren Projektpartnern Siegfried Steinlechner (ORF), Robert Seeliger (Fraunhofer Fokus) und Rangeen Horami (Filmuniversität) unter der Führung des Moderators Michael Praertorius über Herausforderungen, Ziele und Visionen.

Unter den Gästen waren Vertreter von RBB, UFA, Medienboard Berlin-Brandenburg, Red Bull Media House, NDR, Studio Babelsberg, Filmuni und viele mehr. Für uns ist es eine große Bestätigung, dass so viele Vertreter der Medienbranche Interesse an unserer Session gezeigt haben.

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Besuch in Wien

Wir haben uns sehr gefreut, Mitte Oktober 2015 den aktuellen Stand unseres Projekts in Wien präsentieren zu dürfen. Kurz nach der Hälfte unserer Projektlaufzeit war es an der Zeit mit dem ORF zusammenzutreffen. Gemeinsam mit Siegfried Steinlechner vom kultur.montag und dem Hauptabteilungsleiter der ORF Kultur sowie Moderator des kultur.montags, Martin Traxl, diskutierten wir ausgiebig über unsere Vision eines neuartigen Sendungsaufbaus im Internet. Wir sind froh über die Möglichkeit, dieses neuartige Konzept mit der erfolgreichsten Kultursendung im europäischen Raum entwickeln zu dürfen. Der kultur.montag ist aufgrund von Marktanteil und Bewertung der Spitzenreiter innerhalb der Kulturmagazine der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und somit, aber nicht nur deshalb, der ideale Partner für uns.

In den zwei Tagen unseres Zusammentreffens sind wir in unserem Vorhaben sehr bestärkt worden, aber auch mit der nötigen Distanz und Objektivität begutachtet worden. Am zweiten Tag unseres ORF Besuchs durften wir bei der Präsentation von innovativen Film- und Fernsehprojekten dabei sein und konnten viel davon mitnehmen.

Mitnehmen konnten wir auch ein uriges, traditionelles Kulinarik-Erlebnis der Extraklasse. Zum Abschluss unserer Wienreise führte uns Siegfried zu einem Wiener Heurigen in den Weinbergen, wo wir Schweinshaxen, die sogenannte „Stelzen” zu Spritzwein („G’spritzten”) genießen konnten. Motiviert starten wir in die zweite Hälfte unseres Projekts „Out of the Box”.

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Zwischenbericht

Die Projektarbeit schreitet immer weiter voran! Kürzlich hielten wir unsere Zwischenergebnisse  für das MIZ und die Projektpartner ORF und Fraunhofer FOKUS in einem Bericht fest. Diesen wollen wir nun auch auf dem Blog veröffentlichen, weswegen er ab sofort unter folgendem Link abrufbar ist: Out Of The Box – Zwischenbericht

Auf vier Seiten gibt es dort eine Zusammenfassung unserer Brainstorming-Sessions, User-Tests und der weiteren Projektplanung!Bildschirmfoto 2015-11-25 um 11.06.39

Prototyping – mit Papier!

Für unseren Webplayer experimentieren wir mit verschiedenen Ansätzen, dem Nutzer eine intuitive Navigation zu neuem Content zu ermöglichen. Für die Vorbereitung stellten wir uns viele Fragen: Spielt der Schauplatz des Beitrags für den Nutzer eine Rolle? Macht es etwas aus, den Redakteur des Beitrags zu kennen? Interessiert es den User, welche Personen im Beitrag zu Wort kommen? Kann man den Nutzer auch spielerisch mit einer Bildcollage an Inhalt heranführen? Wievielt Text verträgt ein User in einem Webplayer?

Um die verschiedenen Features für den Player zu überprüfen, designten wir einen Prototypen für den Test mit einigen Nutzern. Um uns aber stundenlange Programmierarbeit zu sparen, bauten wir den Prototypen nicht mit Codes sondern mit Papier. Wir simulierten die Oberfläche eines Webbrowsers mit verschiedenen Folien, durch die sich der Nutzer mit der “Maus”, in diesem Fall nämlich seinem Finger, navigieren kann.

Schlussendlich testeten wir den Prototyp mit Studenten in der Filmuniversität Babelsberg und erhielten viel hilfreiches und produktives Feedback für die Weiterentwicklung unseres Ansatzes. Damit geht es nun bald in die Programmierarbeit!

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Beitragsanalyse

Das Konzept einer interaktiven Benutzeroberfläche für das ORF-Kulturmagazin Kulturmontag entwicklen wir exemplarisch an einer Ausgabe der Sendung (Ausstrahlung 27.4.2015), die in diesem Fall aus acht Beiträgen besteht:

Beitrag 1: Wie tolerant ist Österreich?

Beitrag 2: Interview mit Juan Diego Florez

Beitrag 3: Von der Bibel bis Facebook

Beitrag 4: Swarovski Kristallwelten

Beitrag 5: Designmesse in Mailand

Beitrag 6: Emin vs. Schiele

Beitrag 7: Kärntens Kulturlandschaft

Beitrag 8: Donau-Festival

Wir wollen die einzelnen Beiträge jeweils auf verschiedene inhaltliche Parameter untersuchen. So lassen sich sowohl Verknüpfungen zwischen den einzelnen Beiträgen, als auch Anknüpfungspunkte für über die Sendung hinausgehende Zusatzinformationen, die in einen interaktiven Webauftritt einfließen können, erkennen. Die Parameter die wir wählen sind:

„Thesen, Themen und Fragestellungen“: Hier wird der Beitrag auf seinen inhaltlichen Schwerpunkte untersucht, was die Verknüpfung mit den anderen Beiträgen vorbereitet.

„Drehorte“: Eine interaktives Webinterface bezieht eventuell die Verrottung der einzelnen Beiträge mit ein, weswegen sie hiermit erfasst wird.

„Ergänzungen“: Hiermit werden inhaltliche Punkte berücksichtigt, die der Beitrag anspricht, jedoch nicht weiter ausführt. Das Webinterface kann hier weitere Informationen liefern.

„Fazit des Beitrags“: Der Kern des Beitrags in einem Satz, was sowohl Übersicht schafft als auch im Hinblick auf mögliche Teaser (Vorschaubilder und Texte) zur Generierung von Klicks relevant werden kann.

Für den Beitrag „Kärntens Kulturlandschaft“ halten wir fest:

Beitrag 6: Kärntens Kulturlandschaft (TC: 01:50:56)

Thesen, Themen und Fragestellungen

  • „Das Jahr des Brauchtums“: Brauchtum wird finanziell überproportional unterstützt
  • Kulturpolitik Kärntens
  • Wie wirken sich die Budgetkürzungen im Kulturbereich auf Kärnten aus?
  • welchen Stellenwert haben Tradition und Heimatwerte? Wo wird es unverhältnismäßig?
  • Kulturarbeit in Kärnten ist schwierig
  • Spannungsfeld von moderner Kulturarbeit und traditionellen Werten
  • wie lockt man kulturell Interessierte nach Kärnten?
  • Regisseur und Schauspieler Marjan Stikar sinngemäß: „junge Kreative sollten wo anders hingehen“
  • Schriftsteller: Josef Winkler

Drehorte

  • Freilichtmuseum, Kärnten
  • Bad Eisenkappel, Kärnten

Ergänzungen

  • weitere Kulturinitiativen in Kärnten
  • Kulturfestival: Transformalia
  • politische Hintergründe
  • Informationen zu fiskalpolitischen Entscheidungen in den letzten Jahren

Fazit des Beitrags

  • eine schöne Landschaft ist nicht genug

Die Konzentration auf einzelne Thesen und ein Fazit hilft uns, Verbindungen zwischen den verschiedenen Beiträgen zu finden. So heißt es an einer Stelle in „Kärntens Kulturlandschaft“, junge Kreative sollten sich in Kärnten keine Hoffnungen auf eine Karriere machen. Im Beitrag „Designmesse Mailand“ hingegen glänzt Österreich im Ausland mit Kreativität und Innovationskraft. Die Gegenüberstellung von Mailand und Kärnten erscheint hier als erste spannende Idee für ein interaktives Webinterface. Weitergehend wollen wir die anderen Beiträge in gleicher Systematik analysieren und weitere Verknüpfungspunkte finden. Wir sind gespannt, wo es damit hingeht.

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Zwischenreport

Nun ist der erste Monat vorüber und wir haben viele Weichen für die weitere Projektarbeit gestellt. Dabei haben wir versucht, uns dem Thema „Kulturmagazin“ von möglichst vielen Seiten zu nähern und die inhaltliche sowie funktionale Gestaltung und die erzählerischen Potentiale einer Kultursendung analysiert und diskutiert. Jetzt gilt es, die gewonnen Erkenntnisse in erste Prototypen für den Videoplayer einfließen zu lassen.

Mittels des Eingangs aufgestellten semantischen Differenzials haben wir uns klargemacht, wo die Stärken und wo die Schwächen derzeitiger Kulturmagazine liegen: bei dem großen Vielfalt der Themen und dem Wunsch, eine möglichst große Zuschauergruppe anzusprechen, leidet oft der Fokus, der Tiefgang und die Zuschauerbindung. Eine Kultursendung sollte aber möglichst persönlich sein.

Wo inhaltlich eine große Herausforderung vorliegt, kann ein gut durchdachtes Interface Erleichterung bedeuten: Inhalte können nach bestimmten Parametern geordnet, neu strukturiert und präsentiert werden, sodass jeder Zuschauer aus einem auf ihn persönlich abgestimmten Programm auswählen kann. Ist es sinnvoll, Beiträge online beispielsweise nach Orten oder Epochen zu sortieren? Wird durch thematische Bündelung die Zuschauerbindung erhöht? Mit der Sentiment-Analyse wollen wir herausfinden, inwiefern sich solche Parameter bestimmen lassen und welche Parameter sinnvoll sein können. Wenn wir diese Parameter haben, lassen sich Prototypen designen und darüber Anknüpfungspunkte für neue, interaktive Erzählformen finden.

Wie kann also eine multithematische und informationsorientierte Kultursendung für den Zuschauer über eine Weboberfläche persönlich gemacht werden? Und wie kann der Zuschauer an eine non-lineare Erzählstruktur herangeführt werden, ohne dass er vom Interface und den Wahlmöglichkeiten überfordert oder gar übersättigt ist?

Im letzten Monat haben wir hierüber breit diskutiert und Ideen durchgespielt. Diese Diskussionsräume haben uns einen weiten Blick auf das Thema „Kulturmagazin“ ermöglicht. Jetzt sind wir sehr motiviert, diesen Blick fokussieren und konzentrieren zu können und die inhaltliche Gestaltung zu beginnen!

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Interactive- / Virtual-Storytelling

Nachdem wir uns mit der inhaltlichen Ausgestaltung einer Kultursendung befasst haben, wenden wir uns nun den verschiedenen Möglichkeiten des interaktiven Erzählens zu. Der geflügelte Begriff „Non-Linear-Storytelling“ erscheint uns in diesem Zusammenhang mit interaktiven Erzählformen nicht vollends deckend, denn klassisch lineare Erzählformen können durchaus einen gewissen Grad an Interaktivität besitzen. Auch wenn lineare Erzählformen die Beteiligung des Konsumenten nicht in direktem Maße einfordern (da die Handlung ja unabhängig des Zuschauers abläuft), ist die Wirkung der Medieninhalte stets individualisiert.

Je nachdem in welcher Situation, in welcher emotionalen Lage sich ein Zuschauer beim Konsum eines Medieninhalts befindet, wird der äußerlich identische Inhalt von jedem einzelnen Zuschauer anders wahrgenommen.  So ist es zum Beispiel möglich, dass gewisse Zuschauer beim Schauen eines Sci-Fi-Films, der 2000 Jahre in der Zukunft spielt, dennoch Parallelen zu eigenen Kriegserfahrungen in der jungen Vergangenheit ziehen. Ein anderes Beispiel wäre eine Situation, in der ein Hörspiel über einen Mord im vatikanischen Petersdom genau dann gehört wird, wenn man gerade selbst durch die Hallen der antiken Kathedrale läuft. Die optischen Eindrücke, die man hier zusätzlich erhalten würde, sind grundsätzlich wahrscheinlich nicht von den Machern des Hörspiels intendiert, können die Erfahrung aber stark verändern. Die Wirkung von Medieninhalten kann also nie im Vorhinein abgesteckt oder vorhergesagt werden, sondern ist immer abhängig vom Konsumenten. In diesem Sinne ist also auch jeder Medieninhalt interaktiv.

Aus diesem Grund entscheiden wir uns, statt „Non-Linear-Storytelling“ den Begriff „Interactive- / Virtual-Storytelling“ zu verwenden. Damit einher gehen vier Kategorien der Zuschauerbeteiligung („Involvement“):

  1. active: die inhaltliche, von den Machern vorgesehene und geplante Beeinflussung der Handlung durch den Konsumenten (z.B. in einem Videospiel)
  2. passive: die Verarbeitung der wahrgenommenen Inhalte durch individuelle Interpretation (z.B. ein Spielfilm)
  3. social: die Beteiligung an einem Medieninhalt durch Austausch über andere Kanäle (vorwiegend soziale Medien wie z.B. Twitter oder Facebook). Die Beteiligung der  Konsumenten ist hierbei vorgesehen, die konkrete Ausgestaltung der Beteiligung kann jedoch von den Machern nicht vorhergesehen werden.
  4. diffusion: die von den Machern nicht zwingend vorgesehene Vermischung von virtuellen Medieninhalten mit der individuellen Realität des Konsumenten (z.B. das Hören eine Vatikan-Krimis direkt vor Ort)

Die einzelnen Kategorien sind dabei nicht trennscharf, bieten für uns aber eine grundsätzliche Möglichkeit zur Einordnung einzelner Ausprägungen von Interaktivität.

Mit einem unserer Projektziele, der Entwicklung und Gestaltung eines interaktiven Webvideoplayers, vor Augen,  diskutieren wir weitergehend den Reiz von aktiver Beteiligung beim Medienkonsum. Wann begeistert die Möglichkeit zur inhaltlichen Auswahl und wann lenkt sie nur ab und verwässert? Im Zuge dessen kommen wir zu der zu dem Zwischenergebnis, dass der Reiz der inhaltlichen Veränderung – zumindest im fiktionalen Bereich – in gewissem Maße darin liegt, dass eine Entscheidung nicht rückgängig gemacht werden kann. Eine Wahl kann nur dann Spannung erzeugen, wenn man im Moment des Auswählens alle anderen Möglichkeiten verpasst.

Ob dieses Prinzips des Ausschlusses auch im non-fiktionalen Bereich Wirkung entfaltet, wollen wir im weiteren Verlauf der Projektarbeit versuchen zu ergründen. Eine Möglichkeit dieses „Ausschlussprinzip“ innerhalb eines Videoplayers zu berücksichtigen wäre es, einen Player zu entwerfen, der sich nach dem Start des Videos zwar noch stoppen, aber nicht mehr zurückspulen lässt. Wollte man von vorne starten oder eine andere Entscheidung bei der Auswahl verschiedener Inhalte treffen, müsste man die Website neu laden und das Video von vorne beginnen.

Gerade im Infotainment-Bereich mutet diese Idee zunächst kontraproduktiv an. Die Zuschauer haben hier erwartungsgemäß ein großes Verlangen danach, viel über ein Thema zu erfahren. Ob hier aber eine aufgezwungene Wahlmöglichkeit, ein bewusst unerschöpfendes Erlebnis nicht doch neue Erzähldimensionen eröffnen kann, bleibt zu zeigen.

Interactive Storytelling

Meinungspapier: Die Zukunft des Fernsehens

Die Zukunft des Fernsehens

  1. Daten zur Fernsehnutzung
  • junge Menschen wenden sich zunehmend vom Medium Fernsehen ab: Rückgang des Fernsehkonsum der 14-29-jährigen um 10% zwischen 2010 und 2013
  • die Parallelnutzung von Internet und TV ist in allen Altersschichten etabliert, vornehmlich jedoch nicht kontextbezogen zum TV-Inhalt
  • nur 2% der Bevölkerung Deutschlands nutzen zum Internetzugang während des TV-Konsums den Fernseher selbst, sondern vornehmlich Smartphone und Laptop
  • weitere Nutzungszahlen unter ARD-ZDF-Online-Studie: http://www.ard-zdf-onlinestudie.de/fileadmin/Onlinestudie_2014/PDF/0708-2014_Busemann_Tippelt.pdf
  1. TV-Inhalte im Web

Bewegtbildinhalte werden vermehrt über Plattformen wie YouTube oder Dienste wie Netflix abgerufen. Verschiedene Techniken und Systeme ermöglichen unterschiedliche Inhalte als Alternative oder Ergänzung zum klassischen TV-Konsum.

Was kann das Fernsehen von Netflix lernen?

  • Nutzerdaten liefern Informationen zur Erstellung personalisierter Empfehlungen (75% des Konsums gehen auf Empfehlung zurück) (http://fsf.de/data/hefte/ausgabe/68/efert_netflix_092_tvd68.pdf)
  • Orientierung an Nutzerdaten für Original-Content: House of Cards wurde entwickelt, weil Netflix bei einer Vielzahl von Nutzern ein Interesse an Kevin Spacey und David Fincher aus den Daten herauslesen konnte
  • Förderung einer neuen Konsumkultur: Binge-Watching

Was kann das Fernsehen von YouTube lernen?

  • Fernsehstrukturen sind zum Teil auch auf YouTube etabliert: Channel-Networks (Ähnlichkeiten mit klassischen Produktionsfirmen) zur Vermarktung von Inhalten, feste Upload-Zeiten (z.B. „Jeden Donnerstag um 18 Uhr gibts ein neues Video“ ➝ Nutzer haben neben der Entscheidungsfreiheit trotzdem noch Interesse an Regelmäßigkeit und einer Art Sendeplan)
  • Broadcasting-Feature: Live-Streaming-Funktion findet auch auf YouTube Verwendung
  • Interaktivität: interaktive Video-Reihen, Kommentarfunktion, Video-Empfehlungen
  • viele neue Formate (z.B. Tutorials, Unboxings, Vlogs, Let’s Plays): „YouTube-Stars“ sind sind näher am Zuschauer, authentisch und weniger auf Hochglanz produziert, was vor allem jüngere Zuschauer anspricht (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.zukunft-des-fernsehens-das-lineare-fernsehen-wird-es-nicht-mehr-geben.ad9ae9a4-cce5-4972-a3d2-1096112e22fe.html)
  • Funktion als dauerhafter Kultur-Speicher (das reine „Versenden“ von Inhalten weicht zunehmend einer dauerhaften Speicherung)

Technische Innovation: SmartTV

  • Zusatzangebote aus dem Internet parallel zur Sendung
  • Signalverarbeitung per HbbTV (Hybrid Broadcast Broadband TV), HTML oder Java Script
  • Internetzugang per Set-Top-Box oder Fernsehgerät
  • Bedienung per Smartphone, Fernbedienung, oder Tastatur
  • Integration von Apps: Netflix, YouTube, Facebook, Twitter uvm.
  • viele Anbieter: Google, Apple, Amazon, Samsung, Vodafone, Microsoft uvm.

Technische Innovation: Second Screen

  • Ziel: intensivere Bindung an Fernsehinhalte und Marken
  • Apps schaffen zusätzliche funktionale (z.B. Zusatzinfos), soziale (z.B. Chat-Funktion) und spielerische (z.B. Minigames) Angebote
  • Nutzung läuft parallel zur Sendung und über die Sendung hinaus
  • viele Interaktionsmöglichkeiten für Zuschauer untereinander und mit der Sendung (z.B. JOIZ, Quizduell) ➝ größter Austausch findet aber weiterhin auf Facebook und Twitter statt
  • Anbieter: Sender (z.B. ProSieben-App), Start-Ups (z.B. Couchfunk-App) und TV-Formate (z.B. Tatort-App)

Es gilt, Smart-TV und Second Screen sinnvoll zusammen zubringen, den Bedienkomfort zu erhöhen und und aus den Erfolgen von Netflix und YouTube zu lernen

  1. Ausblick

Aller Wahrscheinlichkeit nach bleibt das Fernsehen das „elektronische Lagerfeuer“ (Marshall McLuhan), insbesondere bei Live-Events und Nachrichten. Die lineare Programmgestaltung wird vor allem im Unterhaltungssegment stark an Bedeutung verlieren, aber trotzdem weiter bestehen und in Symbiose mit weiteren Online-Inhalten treten, wodurch sich der Fernseher schlussendlich zur Multi-Media-Zentrale im Wohnzimmer entwickelt.

Das Fernsehen der Zukunft

Herausforderungen

  • die einzelnen Anbieter von HybridTV-Systemen und Online-Mediatheken/VoD-Stores werden in starken Konkurrenzkampf um Ausstrahlungsrechte und Zuschauer treten: Der Markt ist hart umkämpft, viele Anbieter für Set-Top-Boxen (Apple, Amazon, Google, Vodafone, Sony uvm.) und Online-Videotheken (Netflix, YouTube, Hulu, Watchever)
  • viel Content muss kreiert werden (Zusatzinfos, interaktive Programmerweiterungen, Apps, Spiele)
  • fortschreitende Verzahnung von mit Webseitenanbietern zur Nutzung von Leihdaten (z.B. Wikipedia für Zusatzinfos)
  • neue Werbemodelle für personalisierte, auf den TV-Inhalt abgestimmte Werbung
  • technischer Standard für die Verzahnung von TV und Smartphone muss entwickelt werden (HbbTV noch nicht ausreichend) (http://www.hbbtv-infos.de/downl/hybrid-tv_white-book_2011.pdf)
  • neue Codierungsstandards müssen entwickelt werden, um Streamingvolumen zu verarbeiten (High Efficiency Video Coding HEVC statt des aktuellen Standards H.264)
  • viele Anbieter sorgen für programmierungstechnische Heterogenität am Markt: Dienste müssen für jeden Anbieter individuell konzipiert werden, da der Markt so umkämpft ist
  • Ausstrahlungsrechte sind teilweise exklusiv unter den einzelnen Anbietern verteilt, es bleibt zu beobachten welche Anbieter sich die meisten Rechte sichern können bzw. ob es zu einer Ausdünnung am Markt kommt und ein Monopol heranwächst

Weitere Spannende Links und Artikel

Die Medienlandschaft der Zukunft

Ausblicke

Reed Hastings – Netflix

Virtual Reality – Die ultimative Empathie Maschine

Persönliche Einschätzung: Wie sieht für mich das Fernsehen der Zukunft aus?

David

Dem Fernsehen steht in den nächsten Jahren eine inhaltliche und technische Neuausrichtung bevor, die unser jetziges Verständnis von diesem Medium stark verändern wird. Entscheidend für diese Neuausrichtung ist dabei die Digitalisierung der Inhalte und der dauerhafte Internetzugang des Fernsehgeräts.

Dem linearen Fernsehprogramm wird dieser Tage eine nur noch kurze Lebensdauer beschworen, Streaming-Plattformen wie Netflix hätten die Sehgewohnheiten der Nutzer zu stark in Richtung Individualisierung verändert und klassische Sender mit einem 24-Stunden-Programm keine Zukunft mehr. Zum Teil mag dies richtig sein: heute sind nur noch wenige bereit, eine Folge ihrer Lieblingsserie zu einem festen Sendetermin zu schauen. Binge-watching, also das Konsumieren mehrere Folgen am Stück, findet immer mehr Anklang, vor allem unter Internet-Nutzern. Und auch die Wahlmöglichkeit, welchen Film man sich am Wochenende aus einer riesigen Mediathek auswählen möchte, ist für viele Menschen attraktiv. Das lineare Unterhaltungsprogramm der TV-Sender kann diese Freiheit nicht bieten. Doch dabei klingt schon an: dies gilt vor allem für Unterhaltung in Form von beispielsweise Serien, Dokumentationen und Filmen. Dieser Bereich wird in Zukunft wohl nahezu ausschließlich von individuell personalisierter Programmgestaltung beherrscht sein. Das Fernsehen besitzt jedoch noch eine andere Qualität:  die Live-Übertragung. Sei es die Fussball-WM, eine royale Hochzeit oder eine gute Fernseh-Shows mit tagesaktuellem Bezug; hier werden sich auch in Zukunft noch viele Menschen zur selben Zeit vor dem Fernsehen versammeln. Das Wissen, ein Ereignis in diesem Moment mit Millionen anderer Menschen gemeinsam zu verfolgen ist ein unanfechtbarer Anreiz linearen Fernsehens. Wenn man jedoch auf die Anbieterseite blickt, ist abzusehen, dass die Übertragung solcher Live-Ereignisse in Zukunft auch oder sogar ausschließlich über das Internet stattfinden wird. In Zukunft buhlen sicher auch Netflix und YouTube um die Ausstrahlungsrechte der Fussball-WM. Hier bleibt abzusehen, welche inhaltliche Zielsetzung die klassischen TV-Sender in ihren Fokus rücken und in wie weit sie sich um weiterhin Live-Übertragungsrechte bemühen. Die zukünftige Stärke eines klassischen Senders liegt hierbei vor allem bei Live-Übertragungen und in Sendungen mit tagesaktuellem Bezug wie z.B. Nachrichten. Der Kampf um Quoten bei reinen Unterhaltungsinhalten wie Filme oder Serien ist gegen die Online-Mediatheken für jüngere Generationen schon jetzt verloren.

Darüber hinaus ist es aber gut denkbar, dass rein lineare Sender auch weiterhin bestehen. Obwohl die freie Auswahl aus Inhalten in einer Mediathek Luxus bedeutet, kann es auch zu Anstrengung werden. Das „Berieseln“ beim Fernsehen ist etwas, was viele Menschen schätzen. Nicht immer hat man Zeit und Lust, 20 Vorschläge durchzuklicken, bis man sich entscheidet, was man sehen möchte. Lineare, themenspezifische Kanäle können einem diese Aufgabe abnehmen und weiterhin etwas „vorsetzen“, das man einschalten kann, wenn man gerade keine Lust hat, selber auszuwählen.

Es ist daher wahrscheinlich, dass die linearen Kanäle eine Einzelapplikation unter vielen werden. Ähnlich wie das „Telefon“ heute nur noch eine einzige App unter Tausenden auf dem iPhone darstellt, könnte es sich auch beim Fernsehen vollziehen: lineare (unter anderem von den traditionellen Sendern betriebene) Kanäle stehen neben anderen Apps und Portalen wie YouTube und Netflix.

Und auch wenn vor allem YouTube mit der ständigen Verfügbarkeit aller Inhalte glänzt, hat sich hier ein Konzept aus dem linearen Fernsehen etabliert:  Als Erfolgsrezept für YouTube-Kanäle gelten unter anderem feste Video-Upload-Zeiten (eine Analogie zur Erstaustrahlung), was zeigt, dass Konsumenten sich auch heute noch einen gewissen Grad an Regelmäßigkeit wünschen. Wenn es auch an Bedeutung verliert, wird man sich also von dem linearen Fernsehen wohl nicht gänzlich verabschieden.

Zumindest nicht so lange, bis eine künstliche KI ein „berieselndes“ Programm ohne Zutun des Nutzers zusammen stellen kann. Schon jetzt arbeitet Netflix stark mit den Daten seiner Nutzer, erstellt personalisierte Empfehlungen und konzipiert sogar ganze Serien nach den Interessen seiner Nutzer. Es ist also nicht abwegig, dass Nutzer irgendwann vollständige personalisierte „Sender“ anwählen können, die laufend Inhalte zeigen, die dem Nutzer laut seiner Daten gefallen.

Erweitert werden die Inhalte dabei durch Zusatzinformationen und Apps, die Integration des Smartphones in den Fernsehkonsum wird weiter zunehmen. Der Nutzer wählt die Inhalte über sein Handy aus und kann dabei laufend weitere Daten zur Sendung abrufen, Spiele spielen und sich auf dem Smartphone mit anderen Nutzern über die gezeigten Inhalte austauschen. Denkbar sind spezielle Foren, die direkt mit den jeweiligen Kanälen oder einzelnen Filmen und Serien verknüpft sind, wobei Twitter und Facebook hier derzeit eine Vormachtstellung besitzen. Anstatt eine jeweils eigene Kommunikationsplattform für jeden Kanal und jede Mediathek zu designen, sollten TV-Sender und Streaming-Dienste sich eher um eine Kooperation mit bereits etablierten Kommunikationsdiensten bemühen. Die Verwendung von Leihdaten und der Austausch mit anderen Internetseiten (z.B. Zusatzinfos auf Wikipedia oder direkte Werbeverlinkung auf Amazon) wird ohnehin zunehmen.

Die Steuerung dieser Inhalte wird wahrscheinlich auch über Gesten und Sprache möglich sein. Sobald hierfür die technischen Vorraussetzungen vorhanden sind, hat die Fernbedienung wohl endgültig ausgedient. 3D-Fernsehen wird dabei noch so lange auf sich warten lassen, bis die Wahrnehmung ohne Brille möglich ist.

Durch den Internetzugang wird der Fernseher somit zur Multimedia-Zentrale des Wohnzimmers: in ihm sind Streaming-Plattformen und Mediatheken, lineare Kanäle und Videospiele vereint und synchronisiert mit Smartphone, Tablet und PC. Alle Kanäle und Apps, seien es die traditionellen Sender oder Plattformen wie Netflix sind dabei unter dem Zugzwang, Inhalte zu liefern, die jeweils eigene Mediathek attraktiv für Nutzer machen. Die Auswahl wird immer größer und derzeit zeichnet sich ein Trend zu einem stark diversen Streaming-Markt ab, auf dem sich unzählige Anbieter um Nutzer und Ausstrahlungsrechte streiten. Um hier den Überblick zu behalten, wäre eine KI, die die Nutzerdaten aus allen Mediatheken und Kanälen auswertet und Empfehlungen generiert ungemein hilfreich, durch das kommerzielle Interesse jedes einzelnen Anbieters jedoch ökonomisch kaum zu rechtfertigen. In jedem Fall gilt aber mehr denn je: gute Inhalte binden Nutzer an das Programm oder die jeweilige Mediathek, weswegen jeder Anbieter darum bemüht sein wird, das bestmögliche Unterhaltungserlebnis für seine Zuschauer zu bieten. Dies entschiedet sich nicht nur im Hinblick auf die erzählte Geschichte und das Produktionsniveau, sondern auch im Hinblick auf die Integration von Social Media und Second Screen in das Programm. Fernsehen wird zum Hybrid aus klassisch linearerer Unterhaltung (z.B. eines Spielfilms) innerhalb eines Mediathekennetzes, Gaming-Angeboten, Social-Media-Plattformen und non-linearer Unterhaltung in Form von interaktiven Inhalten (sei es Werbung, die einen direkt zu dem jeweiligen Produkt im Warenkorb verlinkt, eine Dokumentation, die einem ständig Zusatzinformationen aus dem Internet anbietet oder eine Show die intensiv auf Zuschauerbeteiligung setzt). Wenn die technischen Hürden überwunden sind und eine reibungsloser und schneller Wechsel zwischen Kanälen und Medien möglich ist, dann sind wir angelangt an einer neuen Form des Fernsehens. An diesem Punkt bleibt dann jedoch zu diskutieren, ob der Begriff „Fernseher“ für das Medium, das in 20 Jahren in unserem Wohnzimmer stehen wird, überhaupt noch angemessen ist.

Die Zukunft des Fernsehens

Johannes

Ja, das klassische Fernsehen ist in Gefahr. Schon im Musik- und Printbereich sind etablierte Geschäftsmodelle von innovativen Internet Start-Ups überrannt worden. Stichwörter wie „Disruptive Innovation“ oder der sogenannte „Popcorn Effekt“ stehen wie ein Mahnmal über der Zukunft des Fernsehens. Für Fernsehanstalten wird es essentiell sein, das Internet nicht als Gefahr, sondern als Chance für die Erneuerung des klassischen Fernsehens zu sehen. Denn das Fernsehen ist gekommen, um zu bleiben.

Der Kampf um das Wohnzimmer

Aktuell stehen sich zwei große Fronten gegenüber: Die der Streaming-Portale, wie Netflix, Amazon Prime, WatchEver, zu denen auch Apps wie die RedBull App oder die NHL App auf den Smart TVs zu zählen sind, – und die des linearen Fernsehens in Form von klassischen Fernsehsendern. Netflix CEO Reed Hastings spricht auf der re:publica 2015 mittlerweile vom „Tod des linearen Fernsehens“. Er ist fest davon überzeugt, dass fixe Sendezeiten in der heute ein Auslaufmodell sind. Denn veränderte Seh- und Lebensgewohnheiten lassen ein lineares Fernsehen nicht mehr zu. Vielmehr findet das Programm in Zukunft den Zuschauer und nicht wie bisher der Zuschauer das Programm.

Fernsehen – das neue Supermedium der Zukunft?

Das Fernsehen, auch und ganz besonders in seiner linearen Form, wird jedoch weiterhin als gesellschaftliche Instanz und roter Faden durch die mediale Welt führen. Dies aber nur, wenn eine Transaktion ins Internet stattfindet und das Programm hier auf Abruf erweitert werden kann und so seine ganzheitliche Entfaltung findet. Steigt dann die Interaktion in sozialen Netzwerken, so steigt auch die Quote.

Das Fernsehen hat sich als gesellschaftliches Medium etabliert und durchgesetzt. So wird es auch bleiben. Zwar wird man nicht mehr physisch gemeinsam vor dem Fernseher sitzen, jedoch immer noch gemeinsam schauen. Dies wird auf verschiedenen Screens an unterschiedlichen Orten stattfinden. Die Chancen und Möglichkeiten, die diese Art des Fernsehens bietet, sind klar hervorzustreichen. So wird es in Zukunft ganz neue Möglichkeiten für die User geben. Sie werden mit anderen Zuschauern, aber auch „mit der Sendung“ kommunizieren können.

Information und Unterhaltung

Ganz bewusst zieht Netflix eine klare Grenze in der inhaltlichen Zukunftsorientierung des Unternehmens, das als eine Art Gallionsfigur der Bewegtbild-Revultion im Internet fungiert. Reed Hastings hat verkündet, dass man nicht auf Sport- und TV-Events oder tagesaktuelle Informationsendungen setzen wird. Dieser Bereich wird weiterhin die große Domäne der Fernsehsender bleiben. Gesellschaftliche Ereignisse und politisches Geschehen werden Arbeits- und Fachgebiet von Rundfunk- und Fernsehanstalten bleiben. Die Unterhaltung in Form von Filme und Serien jedoch wird immer mehr von Streaming Diensten wie Netflix abgedeckt werden. Hier wird es für den anspruchsvolle Nutzen eine individuelle und perfekt zugeschnittene Auswahl geben.

Der Zuschauer wird in Zukunft so stark wie nie zuvor analysiert werden, damit ihm sein individuell zugeschnittenes Programm geliefert werden kann. Dies wird zu enormen Zugewinnen an Spartenprogrammen und kultureller Vielfalt führen, da die Zielgruppen genauer angesprochen werden können. Was diese Analysen datenschutzrechtlich an Konsequenzen für den Bürger bringen, muss allerdings mitbedacht und Gegenstand weitere Überlegungen und Untersuchungen werden.

Quality TV

Eine weitere Herausforderung für das Fernsehen ist es, dem Qualitätsanspruch und den Sehgewohnheiten der Zuschauer gerecht zu werden. Unzählige Sender, Streaming-Dienste und soziale Netzwerke buhlen um die Aufmerksamkeit der Nutzer. Wir scheinen uns in einer Art Renaissance der Serien zu befinden. War früher die Fernsehserie von der Filmwelt belächelt, so erkannte die A-Liga der zeitgenössischen Regisseure und Produzenten die Chance der Serie. Denn die Sehgewohnheiten und Lebensweisen der Menschen lassen es nur bedingt zu, sich tagtäglich auf einen Langspielfilm einzulassen. Die Fernsehserie, auch wenn sie heutzutage nicht mehr im Fernsehen, sondern zumeist in Streaming-Diensten konsumiert wird, ist zur Bedrohung für das Kino geworden. Serien entwickeln komplexe Erzählstrukturen, die den Zuschauer mittels „Cliffhanger“ binden. Vom Phänomen des „Komaglotzens“ ist die Rede: Serien werden nicht mehr einmal pro Woche um eine fixe Uhrzeit geschaut, sondern eine ganze Staffel wird über ein Wochenende konsumiert.

User generierter Content

Eine Angst, die überbewertet wird, ist die des User generierten Contents. Natürlich gibt es sie, die YouTube Phänomene, jedoch ist das nicht aufzuwiegen mit der Qualität, die Fernsehen in Zukunft liefern wird müssen. Qualität ist es, was sich langfristig durchsetzten wird. Selbstgedrehte Katzenvideos, Web-Blogs und co. werden parallel zu Quality TV laufen. Sie werden zwar die Sehgewohnheiten der Zuschauer weiter verändern, aber dürften keine weitreichende Gefahr für die Qualitätmedien darstellen.

Neue Erzählformen

Eine Entwicklung, die noch lange nicht abgeschlossen ist, ist die der inhaltlichen Revolution, die durch die steigende Interaktivität möglich wird. In Zukunft wird der Zuschauer mehr Entscheidungsfreiheit innerhalb einer Sendung oder eines Beitrags haben. Er wird sich Erzählstrukturen je nach Interesse selbst aussuchen und sich auch inhaltlich vertiefen können. Der große redaktionelle und produktionstechnische Mehraufwand, der hier entsteht, ist mit ein Grund, warum dies noch nicht flächendeckend angeboten werden kann. Wir befinden uns in der Phase einer kreativen Revolution, in der die neuen Erzählformen erprobt werden können.

Ein politischer Kampf

Eine disruptive Innovation, eine Art Zusammenbruch langjähriger Geschäft- und Vertriebsmodelle, wie dies in der Musikindustrie passiert ist, ist im Bewegtbild-Bereich in dieser Form nicht zu erwarten. In der Musik spricht man vom Spotify-Effekt, der die physische Musik in Form von CDs und MP3s in eine Streaming Variante befördert hat. Mit Filmen, Serien und dem Fernsehen ist das nicht möglich, da es hier geschichtlich ein anderes, komplexeres Vertriebsmodell gibt. War es Radiostationen noch leichter möglich auf die gesamte Musikwelt zuzugreifen, so ist dies auf Grund der verschiedenen Territorien im Bewegtbild-Bereich nicht möglich.

Eine richtungsweisende Diskussion zwischen Streaming Portalen und klassischen Fernsehsendern ist die „7-Days Catch Up – Regelung, die es öffentlich rechtlichen TV-Stationen nicht ermöglicht, Content länger als sieben Tage online zu stellen. Um eine Chancengleichheit auf dem Markt zu fördern, wurde diese Regelung von der Politik initiiert. Für öffentlich rechtliche  Fernsehanstalten scheint diese Regelung nur teilweise nachvollziehbar, da Content, der von öffentlichen Geldern finanziert wurde, nur für eine gewisse Zeit online gesehen werden kann. Fällt diese Regelung, werden Fernsehsender sich mehr in Richtung VOD Plattformen entwickeln.

Out of the Box

Fernsehen findet schon lange nicht mehr nur auf einem einzigen Bildschirm, dem Fernseher statt. Vielmehr werden Second- und Third Screens gerade von den „digital Natives“ parallel genützt. In der Theorie wäre die Kombination von Virtual Reality und Fernsehen die ultimative Lösung, handelt es sich doch bei Virtual Reality um die „Empathie-Maschine“ schlechthin. Keine andere Form der Berichterstattung ermöglicht es dem Zuschauen so sehr, in das Bild einzutauchen. Reportagen, Dokumentationen und auch fiktionale Werke bekommen eine ganz neue Kraft, da der Zuseher Teil der Sache wird und das Stichwort „Interaktivität“ auf eine neue Stufe gehoben wird. Rein praktisch gesehen wird das jedoch in naher Zukunft nicht flächendeckend möglich sein, denn Fernsehen lebt auch davon ein schnelles Medium zu sein. Aufwendig gestaltete Bildmuster oder gar Virtual Reality wird es nur punktuell im Fernsehen geben.

Überforderung und eine Schere, die immer mehr aufgeht

In Zukunft wird es weiterhin wichtig bleiben, ein Programm zu schaffen, dass für jeden zugänglich bleibt. Mit den Innovationen wird nicht jeder umgehen können. Eine Gefahr besteht darin, dass die Schere zwischen den Gesellschaftsschichten auch hier noch weiter aufgeht. Das Fernsehen kann dies in einer Art Brückenfunktion abschwächen. Als gesellschaftliches Medium, das breiteste Schichten der Gesellschaft anspricht, wird es auch in Zukunft die verbindende Instanz bleiben. Wie ein roter Faden wird es durch die vielen verschiedenen Plattformen und Inhalte führen. Die größte Stärke des Fernsehens liegt darin, dass der Zuschauer mit der „Fernsehnation“ verbunden ist: Menschen wollen gemeinsam lachen, trauern, informiert und unterhalten werden.

Die Zukunft des Fernsehens

Denny

Die Medienlandschaft erlebt seit ein paar Jahrzenten einen starken Wandel der durch die Massenverfügbarkeit von digitalen Geräten vorangetrieben wird. Die wichtigste Errungenschaft der sogenannten neuen Medien ist dabei das bidirektionale Kabel, wie es 1992 Vilém Flusser nannte. Gemeint ist damit die Möglichkeit des Empfangens und Sendens von Information, im Gegensatz zum reinen Empfangen bei den traditionellen Medien. Nie zuvor ist der Austausch also das gleichzeitige Konsumieren und Produzieren von Inhalten in einem Medium möglich gewesen. Mit dieser Möglichkeit fallen die Grenzen zwischen Sender und Empfänger. Der Zuschauer wird Teilhaber und emanzipiert sich aus der Rolle des Informationsschwammes. Youtube Channel und Twitch.tv Sender beziehen ihre Zuschauer nicht nur in das laufende Programm sondern auch in die Entstehung desselbigen ein. Während das Privatfernsehen versucht die Faszination des echten Lebens mittels Scripted Reality abzubilden, haben die öffentlich-rechtlichen Sender schon längst verstanden dass es den unmündigen Zuschauer nicht mehr gibt. Mit Formaten wie Heute Plus reagieren sie auf das Verlangen ihrer Kunden um Beteiligung, Mitsprache und Mitgestaltung. Was aber weder private noch öffentliche Sendeanstalten erreichen ist die hohe Dynamik mit der Sendungen im Internet gestaltet werden. Ein Novum im deutschsprachigen Raum stellt derzeit der Onlinesender Rocketbeans.tv dar. Die ehemaligen Macher der Sendung „Game One“ (MTV, VIVA) haben nach der Absetzung der Sendung durch den Auftraggeber beschlossen den ersten deutschen Onlinesender zu starten. Es gibt einen Sendeplan, Sendungen, feste Formate, eigentlich alles was das klassischen Fernsehen auch bieten, aber alles mit einer intensiven Zuschauerbeteiligung. Neue Sendungen entstehen häufig in direkter Zusammenarbeit mit den Fans. Im Talkformat „Was Kommen Könnte“ werden öffentlich Sendungsideen besprochen und auf das direkte Feedback der Community per Twitter oder Chat eingegangen. Trotzdem haben es die „Raketenbohnen“ geschafft mit Sendungen wie dem ArchonCup (ein Startcaft II Tournament) oder Pen & Paper (eine live gespielte Pen & Paper Runde) das Lindenstraßengefühl wiederzubeleben und 40.000 ihrer Fans an einem Sonntag gemeinsam vor dem Bildschirm zu fesseln.

Diese Formate entstehen nicht am Reißbrett und wenn sie es doch einmal tun, dann wird jede Kritik der Fans mit vollstem Ernst bis hin zur Absetzung der Sendung aufgenommen. Ein Publikum das dieses Maß an Einbeziehung und Ehrlichkeit im Internet täglich, wo und wann es will erfahren kann ist nicht bereit Sendeanstalten blind Geld zu überlassen. Die Vehemenz mit der zum Beispiel die ARD Millionenbeträge in eine von Anfang an unbeliebte Sendung wie Gottschalk Live steckte um sie dann 135 Tage später dennoch abzusetzen, ist symptomatisch für die traditionelle Haltung der Sender. Dieser Haltung stehen heutzutage aber die Bezahlnetzwerke wie HBO, Netflix, Amazon Prime mit ihren Serienblockbustern und die tausend kleinen Kanäle auf Youtube und Co. gegenüber. Der User kann wählen, er kann sein eigenes Programm gestalten und er kann entscheiden einfach nur einzuschalten. Am Ende hat er aber immer eine Wahl.

Die Zukunft des Fernsehens bedeutet also keineswegs das Aussterben von linearen Inhalten oder Sendeplänen. Die Zukunft liegt im Mitspracherecht der Zuschauer an den Sendern.